Wer italienischen Wein kauft, begegnet auf den Flaschen schnell Abkürzungen wie DOCG, DOC, DOP, IGT oder IGP. Sie geben Auskunft über die geografische Herkunft eines Weins und die Regeln, nach denen er erzeugt wurde. Etwas verwirrend ist dabei, dass in Italien traditionelle Bezeichnungen und die übergeordneten europäischen Herkunftsbezeichnungen nebeneinander verwendet werden.
Wir erklären, was hinter den Abkürzungen steckt und warum auf einer Flasche beispielsweise DOCG stehen kann, obwohl der Wein gleichzeitig zur europäischen Kategorie DOP gehört.
Das italienische Weinsystem im Überblick
Vereinfacht lässt sich das heutige System so darstellen:
- DOP – Denominazione di Origine Protetta: umfasst DOCG und DOC
- IGP – Indicazione Geografica Protetta: umfasst die traditionelle italienische Bezeichnung IGT
- Vino: Wein ohne geschützte geografische Herkunftsbezeichnung
DOCG, DOC und IGT sind also nicht einfach durch DOP und IGP verschwunden. Die traditionellen italienischen Begriffe werden weiterhin verwendet und sind für viele bekannte italienische Weine von großer Bedeutung.
Was bedeutet DOP bei italienischem Wein?
DOP steht für „Denominazione di Origine Protetta“, auf Deutsch „geschützte Ursprungsbezeichnung“. Die Bezeichnung entspricht der europäischen Kategorie der geschützten Ursprungsbezeichnung. Bei diesen Weinen besteht eine besonders enge Verbindung zwischen dem Wein und seinem geografischen Ursprung.
In Italien fallen sowohl DOC- als auch DOCG-Weine unter diese übergeordnete Kategorie. Ein **Barolo** DOCG und ein Montepulciano d'Abruzzo DOC gehören somit beide zur Kategorie DOP, auch wenn auf dem Etikett weiterhin die traditionellen italienischen Bezeichnungen DOCG beziehungsweise DOC verwendet werden.
Was bedeutet DOCG?
DOCG steht für „Denominazione di Origine Controllata e Garantita“. Für DOCG-Weine gelten genau definierte Produktionsvorschriften für das jeweilige Herkunftsgebiet.
Zu den bekanntesten italienischen DOCG-Weinen gehören **Barolo**, **Brunello di Montalcino**, **Chianti Classico** und **Amarone della Valpolicella**. DOCG ist gleichzeitig Teil der übergeordneten europäischen Kategorie DOP.
Deshalb ist beispielsweise ein Barolo DOCG auch ein DOP-Wein. In der Praxis ist DOCG jedoch die spezifischere traditionelle italienische Bezeichnung und bei vielen berühmten Weinen fest mit deren Namen verbunden.
Was bedeutet DOC?
DOC bedeutet „Denominazione di Origine Controllata“. Auch bei DOC-Weinen ist die Herkunft geschützt und die Erzeugung an die Vorgaben der jeweiligen Herkunftsbezeichnung gebunden.
Je nach DOC können beispielsweise das Anbaugebiet, die zugelassenen Rebsorten, Höchsterträge, Mindestalkoholgehalte oder bestimmte Verfahren bei der Weinbereitung vorgeschrieben sein.
Bekannte Beispiele sind Montepulciano d'Abruzzo DOC, Valpolicella DOC, Soave DOC oder Bardolino DOC. Auch DOC gehört zur europäischen Kategorie DOP.
Was ist der Unterschied zwischen DOCG und DOC?
DOCG und DOC kennzeichnen beide Weine mit geschützter Herkunft. DOCG steht innerhalb des traditionellen italienischen Systems für eine stärker reglementierte Herkunftsbezeichnung mit zusätzlichen Anforderungen und Kontrollen.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jeder DOCG-Wein geschmacklich oder qualitativ besser ist als jeder DOC-Wein. Die Bezeichnung zeigt zunächst, nach welchen Herkunfts- und Produktionsregeln ein Wein erzeugt wurde. Die tatsächliche Qualität hängt darüber hinaus vom Weingut, den Weinbergen, dem Jahrgang und nicht zuletzt von der Arbeit des Winzers ab.
Was bedeuten IGP und IGT?
IGP steht für „Indicazione Geografica Protetta“, also „geschützte geografische Angabe“. Die traditionelle italienische Bezeichnung dafür ist IGT – „Indicazione Geografica Tipica“.
Vereinfacht gesagt ist IGP die europäische Kategorie, während IGT die traditionelle italienische Bezeichnung ist. Auch hier besteht eine Verbindung zwischen dem Wein und seiner geografischen Herkunft. Die Anforderungen unterscheiden sich jedoch von denen einer geschützten Ursprungsbezeichnung.
Ein bekanntes Beispiel ist Toscana IGT. Gerade in der **Toskana** entstanden einige international berühmte Weine bewusst außerhalb der damals geltenden traditionellen DOC-Regeln.
Ist ein IGT-Wein schlechter als ein DOC- oder DOCG-Wein?
Nein. Die Einstufung allein sagt nicht, wie gut ein Wein schmeckt oder wie hochwertig er ist.
Gerade die italienische Weingeschichte liefert dafür berühmte Beispiele. Einige Winzer in der Toskana wollten Weine erzeugen, die nicht den damaligen Vorschriften traditioneller Herkunftsbezeichnungen entsprachen. Daraus entstanden unter anderem Weine, die später unter dem Begriff Supertuscan bekannt wurden.
Die größere Freiheit einer geografischen Angabe kann Winzern beispielsweise ermöglichen, andere Rebsorten oder Cuvées zu verwenden, als es die Regeln einer bestimmten DOC oder DOCG erlauben. Ein IGT-Wein kann deshalb ein unkomplizierter Alltagswein sein – aber ebenso ein international renommierter Spitzenwein.
Und was ist aus dem italienischen Tafelwein geworden?
Früher war die Bezeichnung „Vino da Tavola“, also Tafelwein, weit verbreitet. Im heutigen System findet man für Wein ohne geschützte Ursprungsbezeichnung oder geografische Angabe die Kategorie Vino.
Auch das bedeutet nicht automatisch „schlechter Wein“. Es bedeutet zunächst, dass der Wein keine geschützte geografische Herkunft wie DOP oder IGP trägt.
Ist DOP besser als DOCG?
Nein, denn DOP und DOCG sind keine zwei konkurrierenden Qualitätsstufen. DOCG gehört zur Kategorie DOP. Das Gleiche gilt für DOC.
- DOCG → DOP
- DOC → DOP
- IGT → IGP
Wer auf einer italienischen Weinflasche DOCG liest, sieht also eine traditionelle und spezifischere italienische Bezeichnung für einen Wein, der zugleich eine geschützte Ursprungsbezeichnung besitzt.
Was sagen die Bezeichnungen über die Qualität eines Weins aus?
Herkunftsbezeichnungen stehen vor allem für die Herkunft eines Weins und die Einhaltung der für diese Herkunft festgelegten Produktionsregeln. Sie sind keine einfache Rangliste, nach der sich jeder italienische Wein automatisch qualitativ einordnen lässt.
Für die Auswahl eines Weins sind deshalb neben DOCG, DOC oder IGT auch die Weinregion, das Weingut, die Rebsorte oder Cuvée, der Jahrgang, der Ausbau und natürlich der persönliche Geschmack entscheidend.
Im Vino-per-Tutti-Magazin erklären wir Schritt für Schritt die wichtigsten Weinregionen, Rebsorten, Herkunftsbezeichnungen und Weinstile Italiens – verständlich und ohne unnötiges Weinlatein.