Amarone della Valpolicella gehört zu den großen Rotweinen Italiens. Das Besondere beginnt schon direkt nach der Weinlese: Die Trauben werden nicht sofort verarbeitet, sondern zunächst über mehrere Monate getrocknet. Dieses traditionelle Verfahren nennt man Appassimento. Die Trauben verlieren dabei Wasser, während Zucker, Aromen und andere Inhaltsstoffe konzentriert werden. Erst danach beginnt die eigentliche Weinbereitung.
Woher kommt Amarone della Valpolicella?
Amarone stammt aus dem Valpolicella-Gebiet in der Provinz Verona in **Venetien**. Die Herkunft ist als Amarone della Valpolicella DOCG geschützt.
Zum Gebiet gehören unterschiedliche Lagen und Täler. Auf dem Etikett kann zusätzlich die Bezeichnung „Classico“ stehen, wenn die Trauben aus dem historischen Kerngebiet der Valpolicella stammen. Auch die Bezeichnung „Valpantena“ ist für Amarone aus diesem Teil des Anbaugebietes möglich.
Wie wird Amarone hergestellt?
Nach der Lese werden die für Amarone bestimmten Trauben zum Trocknen eingelagert. In den sogenannten Fruttai liegen sie traditionell auf Gestellen oder heute häufig in speziellen Kisten und werden gut belüftet.
Das Appassimento dauert typischerweise etwa 100 bis 120 Tage. Während dieser Zeit verlieren die Trauben einen erheblichen Teil ihres Wassers. Übrig bleiben kleinere, konzentriertere Beeren, die erst anschließend gekeltert und vergoren werden.
Aus dem konzentrierten Most entsteht nach einer langsamen Gärung ein trockener, körperreicher Wein mit vergleichsweise hohem Alkoholgehalt. Anschließend braucht Amarone Zeit zur Reifung, bevor er in den Verkauf kommen darf.
Was bedeutet Appassimento?
Appassimento bedeutet vereinfacht das Trocknen der Trauben nach der Weinlese. Es ist einer der entscheidenden Schritte bei der Herstellung von Amarone.
Durch den Wasserverlust verändern sich Konzentration und Zusammensetzung der Trauben. Zucker, Aromen und Polyphenole werden konzentriert. Genau das trägt später zur Fülle, Struktur und zum charakteristischen Geschmacksbild des Amarone bei.
Wichtig ist dabei: Beim Amarone wird nicht nur ein kleiner Teil der Trauben getrocknet. Die für die Herstellung des Amarone bestimmten Trauben durchlaufen das Appassimento.
Welche Rebsorten stecken im Amarone?
Die wichtigste Rebsorte ist **Corvina**. Nach den Produktionsvorschriften muss Amarone zu 45 bis 95 Prozent aus Corvina Veronese und/oder Corvinone bestehen. Rondinella muss mit 5 bis 30 Prozent vertreten sein. In begrenztem Umfang dürfen weitere zugelassene rote Rebsorten hinzukommen.
Es gibt deshalb nicht die eine feste Rebsortenmischung für jeden Amarone. Innerhalb der Vorgaben kann jedes Weingut seine eigene Cuvée zusammenstellen und damit auch den Stil seines Amarone beeinflussen.
Wie schmeckt Amarone?
Amarone ist ein trockener, kräftiger und körperreicher Rotwein. Typisch sind intensive Aromen von reifen und getrockneten Früchten, häufig begleitet von würzigen und balsamischen Noten. Mit zunehmender Reife können beispielsweise Tabak-, Kaffee- oder weitere komplexe Reifearomen hinzukommen.
Der Alkoholgehalt liegt meist deutlich höher als bei einem klassischen Valpolicella. Ein guter Amarone lebt aber nicht allein von Kraft und Alkohol. Säure, Tannin und Struktur sorgen dafür, dass der Wein trotz seiner Fülle ausgewogen und elegant wirken kann.
Ist Amarone ein süßer Wein?
Nein. Das ist ein naheliegendes Missverständnis, weil die Trauben durch das Appassimento sehr zuckerreich werden. Beim Amarone wird dieser Zucker jedoch weitgehend vergoren. Das Ergebnis ist ein trockener Rotwein.
Der süße Verwandte heißt **Recioto della Valpolicella**. Auch für Recioto werden die Trauben getrocknet. Die Gärung wird jedoch so geführt beziehungsweise beendet, dass genügend Restzucker im Wein verbleibt. Amarone und Recioto haben damit denselben traditionellen Ausgangspunkt, führen aber zu zwei völlig unterschiedlichen Weinstilen.
Was ist der Unterschied zwischen Amarone und Valpolicella Ripasso?
Amarone und **Valpolicella Ripasso** stammen aus demselben Anbaugebiet und verwenden dieselben traditionellen Rebsorten. Die Herstellung unterscheidet sich jedoch grundlegend.
Für Amarone werden die Trauben zunächst getrocknet und anschließend vergoren. Für einen Ripasso entsteht dagegen zuerst ein Valpolicella-Grundwein aus normal vinifizierten Trauben.
Dieser fertige Grundwein wird anschließend auf den nach der Herstellung von Amarone und/oder Recioto verbliebenen Trestern erneut vergoren. In diesen Trestern befinden sich noch Inhaltsstoffe, die während dieser zweiten Gärung auf den Valpolicella übergehen können. Der Wein gewinnt dadurch typischerweise an Alkohol, Extrakt, Struktur und Körper.
Ripasso ist deshalb nicht einfach ein „kleiner Amarone“. Er ist ein eigenständiger Wein mit einem anderen Herstellungsverfahren.
Welches Essen passt zu Amarone?
Amarone braucht mit seiner Kraft auch kräftige Begleiter. Sehr gut passt er zu geschmortem oder gebratenem Fleisch, Wild, kräftigen Eintöpfen und gereiftem Käse.
Ein gereifter Amarone kann aber auch ganz ohne Essen funktionieren. Nicht umsonst wird er in Italien gerne als „Vino da meditazione“ bezeichnet – ein Wein, für den man sich Zeit nimmt und der für sich allein stehen kann.
Bei welcher Temperatur sollte man Amarone trinken?
Amarone sollte nicht zu warm serviert werden. Das Consorzio Tutela Vini Valpolicella empfiehlt etwa 16 bis 20 °C. Die oft genannte „Zimmertemperatur“ ist deshalb zumindest in modernen, beheizten Räumen meist zu warm.
Bei einem gereiften Amarone kann es sinnvoll sein, die Flasche rechtzeitig zu öffnen oder den Wein vorsichtig zu dekantieren. Eine pauschale Regel gibt es dafür allerdings nicht: Ein junger, kräftiger Amarone kann von Luft profitieren, während man bei einem sehr alten Wein deutlich vorsichtiger sein sollte.